Anmerkungen zu den relevanten Gebietsreformen in Schleswig-Holstein und Umgebung

Der Reichstagswahlkreis 14 (1919-1920) bzw. 13, Schleswig-Holstein, umfasste von 1919 bis 1937 im Kern das heutige Bundesland ohne Lübeck und einschließlich der Städte und Gemeinden im westlichen und östlichen Gebieten des heutigen Hamburg. Auch in der Weimarer Republik hat es verschiedene Gebietsreformen gegeben, so dass sich sowohl auf Gemeindeebene (insbesondere durch die Auflösung der Gutsbezirke Ende 1927), Eingemeindungen in die größeren Städte (Altona, Kiel) und Kreisgebietsreformen (Auflösung der Kreise Bordesholm und Auflösung des Inselkreises Helgoland, 1932) sich sowohl die Kreisgrenzen als auch die Anzahl der Kreise und Gemeinden im Untersuchungszeitraum veränderte.

Die wichtigsten Veränderungen waren in Kürze:

  1. Nach der Abstimmung 1920 kamen die nördlichen Teile Schleswig-Holsteins (Nordschleswig), d.h. im Kern die Kreise Hadersleben, Apenrade, Sonderburg, Teile von Tondern und kleinere Teile des Landkreises Flensburg zu Dänemark.
  2. Im Oktober 1932 wurde der Landkreis Bordesholm zugunsten der umliegenden Kreise Rendsburg, Plön und Segeberg aufgelöst und der seit 1922 eigenständige Kreis Helgoland kam zum Kreis Pinneberg.
  3. Die Zusammenlegung der Kreise Husum und Eiderstedt sowie der beiden Dithmarschen (1. Oktober 1932 bis 30. September 1933) wurde wieder zurückgenommen und hatte deshalb für die Abbildung der Wahlergebnisse in diesem Zeitraum keine Relevanz, auf Kreistagswahlebene hingegen schon. (Die Statistik des Deutschen Reiches für die damals stattfindenden Wahlen berücksichtigte diese Gebietsveränderungen nicht!).
  4. Lübeck gehörte bis 1937/38 nicht zum Reichstagswahlkreis Schleswig-Holstein, sondern zum Wahlkreis 35, Mecklenburg, war als eigenständiges Land (wie die Hansestädte Bremen und Hamburg) im Reichsrat vertreten und wählte eine eigenständige Bürgerschaft.
  5. Der oldenburgische Landesteil Lübeck (bzw. 1919: das Fürstentum Lübeck) gehörte zum Land Oldenburg und wählte entsprechend den dortigen Landtag mit, während eine Teilnahme an den preußischen Landtags- bzw. Provinziallandtagswahlen natürlich nicht stattfand. Auf Ebene der Reichstagswahlen gehörte der Landesteil Lübeck hingegen zum Reichstagswahlkreis Schleswig-Holstein.
  6. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes vom April 1937 gingen die Stadtkreise Altona und Wandsbek sowie große Teile des Kreis Stormarn an Hamburg über; die bisher nicht zu Schleswig-Holstein zählende Stadt Lübeck, das Landgebiet Lübeck sowie der oldenburgische Landesteil Lübeck (in der Folge als Landkreis Eutin bezeichnet) gingen an Schleswig-Holstein. Hinzu kamen weitere kleinere Gebietsaustausche zwischen Preußen und Hamburg.

Sämtliche dieser Gebietsveränderungen führen dazu, dass es wahlstatistisch nur durch die Erstellung „fiktiver" Kreisgebiete und Gemeinden möglich ist, valide Vergleichseinheiten herzustellen, da ansonsten beim Vergleich der Gebiets- und Wahlkörper das Problem von Fehlschlüssen auftreten kann.