Wer offenen Auges durch Lübeck geht, kann an mehr als 30 Stellen ins Stutzen geraten – in vielen Straßen liegen im Gehweg so genannte Stolpersteine – kleine quadratische Messingplatten, die an Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnern. Stolpersteine gibt es bereist in fast 120 Städten. Sie werden durch Spenden von Paten finanziert. Und immer mehr Freiwillige wollen sich an dem Projekt beteiligen. Es gibt in Deutschland viele Gedenkstätten – in ehemaligen Konzentrationslagern, an Stätten nationalsozialistischen Unrechts, in Städten und Orten. Historiker und Architekten, Künstler, überlebende Verfolgte und engagierte Bürger haben sich bemüht, Stätten zu schaffen, die ein gedenken ermöglichen. Das Spektrum reicht vom zentralen Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Peter Eisenman in Berlin errichtete, bis zu Gunter Demnigs dezentralem Projekt der Stolpersteine. Warum empfinden Menschen nach vielen Jahrzehnten ein Bedürfnis, sich mit der Schreckensherrschaft der Nazis auseinanderzusetzen? Die intensive Unterstützung, die das Projekt Stolpersteine nicht zuletzt in Lübeck erfährt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Möglichkeit zur eigenen konkreten Beteiligung an diesen kleinen Gedenkstätten viele Menschen einlädt, sich zu engagieren. Am 12. April werden in Lübeck erneut Stolpersteine verlegt. Am Vorabend geht eine Veranstaltung im Kulturforum Burgkloster der Frage nach, wie und warum Menschen heute der NS-Opfer gedenken. Doch wie funktioniert das eigentlich – gedenken? Was lösen kleine Messingplatten mit den Namen von Opfern in uns aus? Wie können wir Menschen würdigen, von denen wir doch nicht mehr als den Namen wissen und die Umstände ihrer Vernichtung – und die absolut jenseits unserer Vorstellungskraft liegen? Und warum wird das Bemühen um das Andenken an die Opfer jetzt – 75 Jahre nach der Machtergreifung durch die Nazis – so intensiv? Kay Dohnke vom Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus will in seinem Vortrag „Steine und Gefühle“ versuchen, Antworten auf diese Fragen zu finden.
Vortrag von Kay Dohnke
im Kulturforum Burgkloster, Hinter der Burg 2-4, Lübeck
Freitag, 11. April 2008, 20 Uhr.
Der Volltext dieses Vortrages wird in Kürze hier abrufbar sein (Planung: Mai 2008).
Zum Projekt Stolpersteine in Schleswig-Holstein siehe hier.