Wahlstatistische Datenbank für Schleswig-Holstein 1919-1938

Diese Datenbank unterliegt dem Datenbankschutzrecht. Jede gewerbliche Nutzung ebenso wie die Vervielfältigung (Spiegeln auf fremden Servern) - auch zur Verwendung im (akademischen) Unterricht - ist nur nach Rücksprache mit dem Autor erlaubt.

Stand der Erhebung: Juni 2005

 

Vorbemerkungen

Der Autor hat sich seit mehreren Jahren mit dem Thema Wahlen und Volksabstimmungen im Nationalsozialismus (1933-1938) befasst. Nach einer ersten lokalgeschichtlichen Studie zu Kiel und einer ersten Veröffentlichung zur Abstimmung vom November 1933 in Schleswig-Holstein [ISHZ 39] konnte in den folgenden Jahren das Projekt abgeschlossen werden. Aktuell erstellt der Autor einen wahlkartografischen Atlas, der den Aufstieg der NSDAP und ihrer völkisch-antisemitischen Vorläuferparteien von 1919 – 1933 darstellen wird. [1]

 

   Aus beiden Projekten stammen die erstellten Tabellen der Wahlergebnisse in Schleswig-Holstein, wobei der erste Schwerpunkt auf der Erforschung des Wahlverhaltens im Nationalsozialismus lag. Aus Vergleichszwecken wurden damals die Wahlergebnisse von 1932 und 1933 ebenfalls erhoben (d.h. die preußischen Landtagswahlen vom 24. April 1932 (eingeschränkt: 5. März 1933) sowie die Reichstagswahlen vom 31. Juli und 6. November 1932 sowie vom 5. März 1933). Hinzu kamen die Abstimmungen im Einparteien-Staat: die Reichstagswahl und die Volksabstimmung vom 12. November 1933 (Völkerbundsaustritt), die Volksabstimmung vom 19. August 1934 (Reichspräsidentschaft), die Reichstagswahlen vom 29. März 1936, die Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag vom 10. April 1938 (Annexion Österreichs) sowie die Sudetendeutsche Ergänzungswahl vom 4. Dezember 1938.

Der neue Schwerpunkt (Aufstieg des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein) umfasst nicht nur die einschlägigen Reichstags- und Reichspräsidentschaftswahlen sondern auch und gerade weitere Abstimmungen (preußische Provinzial-Landtagswahlen, Volksabstimmungen „Fürstenenteignung“, „Young-Plan“, „preußische Landtagsauflösung“), die weitergehende Informationen zum Verhalten der Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein liefern. Aktuell (Juni 2005) wurden sämtliche relevanten Daten erhoben und können ausgewertet werden.

 

Die Datenbank

Neben der eigentlichen Quellenforschung entwickelte sich im Laufe der Zeit eine wahlstatistische Datenbank, die einerseits die jeweiligen Einzelergebnisse aus verschiedenen Städten auf Ebene der Stimmbezirke – d.h. den Wahllokalen mit etwa je 1.000 Wahlberechtigten – umfasst, andererseits weitere Daten aus Norddeutschland (mit dem Schwerpunkt Schleswig-Holstein) enthält: So wurden u.a. sämtliche amtlichen Endergebnisse aus der Statistik des Deutschen Reichs für (die preußische Provinz) Schleswig-Holstein (Wahlkreis 13) seit der Wahl zur Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 bis zur Abstimmung vom 10. April 1938 erhoben. Dies schließt im Detail die Ergebnisse auf Gemeindeebene (mit mind. 2.000 EinwohnerInnen) ein. Hinzu kommen einzelne Daten auf Wahlkreisebene zu Hamburg (Wahlkreis 34) sowie ausgewählte Gemeinden in Norddeutschland (derzeit: Lübeck, Lübecker Landgebiet) sowie Teile der Ergebnisse der Volkszählungen 1933 und 1939.

Die erhobenen statistischen Daten sollen auf längere Sicht an dieser Stelle für alle Interessierten zugänglich gemacht und durch weitere Detailforschungen ergänzt werden. Während es aber für die Forschung von Bedeutung ist, dass die Wahldaten aus methodischen Gründen in Bezug zu den Wahlberechtigten gesetzt werden, sind die hier abgebildeten Berechnungen in Prozent der abgegebenen (gültigen) Stimmen dargestellt worden. Dies entspricht dem üblichen Veröffentlichungsmodus bei Wahlen allgemein. Zudem werden die Datensätze naheliegenderweise jeweils erst im Anschluss an entsprechende Veröffentlichungen ins Netz gestellt. Die Datenbank ist damit ein Projekt, das sukzessive ausgebaut und je nach Arbeitskapazität des Autors bzw. des Webmasters allgemein zugänglich gemacht werden soll.

 

 

Die Datenbank umfasst derzeit die folgenden Abstimmungsergebnisse (Juni 2005)

 

Weimarer Republik

Wahlen zur Nationalversammlung, 19. Januar 1919

Reichstagswahl vom 20. Februar 1921

Reichstagswahl vom 4. Mai 1924

Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924

Reichspräsidentenwahl vom 29. März 1925 (I. Wahlgang)

Reichspräsidentenwahl vom 26. April 1925 (II. Wahlgang)

Preußische Provinziallandtagswahl vom 29. November 1925

Volksentscheid „Fürstenenteignung“ 20. Juni 1926

Reichstagswahl vom 20. Mai 1928

Preußische Provinziallandtagswahl vom 17. November 1929

Volksentscheid Youngplan 22. Dezember 1929

Reichstagswahl vom 14. September 1930

Volksentscheid „Auflösung des preußischen Landtages“, 11. August 1931

Reichspräsidentenwahl vom 13. März 1932 (I. Wahlgang)

Reichspräsidentenwahl vom 10. April 1932 (II. Wahlgang)

Reichstagswahl vom 31. Juli 1932

Reichstagswahl vom 6. November 1932

Reichstagswahl vom 5. März 1933 , Wahlkarte Schleswig-Holstein, März 1933

 

Einparteienstaat der NSDAP

Reichstagswahl vom 12. November 1933 , Wahlkarte Schleswig-Holstein, Nov. 1933

Volksabstimmung vom 12. November 1933

Volksabstimmung vom 19. August 1934

Reichstagswahl vom 29. März 1936

Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag vom 10. April 1938

Sudetendeutsche Ergänzungswahl vom Dezember 1938

 

 

Die Datenbank gliedert sich in drei Teilbereiche:

A. Ergebnisse auf der Ebene der Gemeinden, der Stadt- und Landkreise Schleswig-Holsteins;

B. Ergebnisse auf der Ebene der Wahllokale für die größeren Städte Schleswig-Holsteins;

C. Sonstige Datensätze.

 

Teil A

Schleswig-Holstein

Abstimmungen

Reichstagswahlen

Datensatz

Details

Quelle

Nationalversammlung

5 Stkr. & 21 Lkr.

Keine Daten auf

Gemeindeebene überliefert

LAS

309/24518

Nationalversammlung

10 kaiserzeitliche Reichstagswahlkreise

Keine Daten auf

Gemeindeebene überliefert

Vierteljahreshefte

zur StDR, IV. Heft, Berlin 1920

RTW

6. Juni 1920 (Reich)

20. Feb. 1921 (SH)

5 Stkr. & 18 Lkr.

98 Gemeinden und 5 Stkr.

StDR, Bd. 291, Heft III, S. 21ff.

Berlin 1922

RTW

4. Mai 1924

5 Stkr. & 19 Lkr.

97 Gemeinden und 5 Stkr.

StDR, Bd. 315, Heft II, S. 27ff., Berlin 1925

RTW

7. Dez. 1924

5 Stkr. & 19 Lkr.

95 Gemeinden und 5 Stkr.

StDR, Bd. 315, Heft IV, S. 25ff., Berlin 1925

RTW 7. Dez. 1924

(Sonderauszählung: Nationale Minderheiten)

5 Stkr. & 19 Lkr.

Sämtliche Gemeinden und Dörfer (auch unter 2.000 Einwohnern !)

StDR, Bd. 315, Heft IV, S. 35ff., Berlin 1925

RPW

29. Mrz. 1925 /

26. Apr. 1925

5 Stkr. & 19 Lkr.

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

StDR, Bd. 321, S.  , Berlin 1925

Preuß. Provinzial-Landtagswahl

29. Nov. 1925

5 Stkr. & 16 Lkr.

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

LAS 309 / 17654

Volksentscheid

„Fürstenenteignung“

20. Juni 1926

5 Stkr. & 19 Lkr.

Keine Daten auf

Gemeindeebene überliefert

StDR, Bd. 332, S. 13, Berlin 1926

RTW

20. Mai 1928

5 Stkr. & 19 Lkr.

91 Gemeinden und 5 Stkr.

StDR, Bd. 372, Heft II, S. 27ff., Berlin 1928

Preuß. Provinzial-Landtagswahl

17. Dez. 1929

5 Stkr. & 16 Lkr.

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

LAS 301 / 4750

Volksentscheid

„Young-Plan“

22. Dez. 1929

5 Stkr. & 19 Lkr.

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

StDR, Bd. 372, S. 43, Berlin 1931

RTW

14. Sept. 1930

5 Stkr. & 19 Lkr.

93 Gemeinden und 5 Stkr.

StDR, Bd. 382, S. 27ff., Berlin 1931

Volksentscheid

„Auflösung preuß. Landtag“

9. Aug. 1931

5 Stkr. & 17 Lkr.

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

Kieler Neuesten Nachrichten, 11.8.1931

RPW

März 1932 /

10. April 1932

5 Stkr. & 19 Lkr.

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

StDR, Bd. 427, S. 22f., Berlin 1932

RTW

31. Juli 1932

5 Stkr. & 18 Lkr., oldenbg. Landesteil, Lübeck

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

StDR,

Bd. 434,S. 50f., Berlin 1933

RTW

6. Nov. 1932

5 Stkr. & 16 Lkr., oldenbg. Landesteil, Lübeck

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

StDR,

Bd. 434, S. 118f., Berlin 1933

RTW

5. März 1933

5 Stkr. & 16 Lkr., oldenbg. Landesteil, Lübeck

5 Stadtkreise, 85 Gemeinden, 8 Gemeinden (oldenb. Lt.), Lübeck.

StDR,

Bd. 434, S. 188f., Berlin 1933

RTW

12. Nov. 1933

5 Stkr. & 16 Lkr., oldenbg. Landesteil, Lübeck

5 Stadtkreise, 91 Gemeinden, 9 Gemeinden (oldenbg. Lt.), Lübeck.

StDR,

Bd. 449, S.45ff.,

Berlin 1935

VA

12. Nov. 1933

5 Stkr. & 16 Lkr., oldenbg. Landesteil, Lübeck

5 Stadtkreise, 91 Gemeinden, 9 Gemeinden (oldenbg. Lt.), Lübeck.

StDR,

Bd. 449, S. 45ff.

Berlin 1935

VA

 

19. August 1934

5 Stkr. & 16 Lkr., oldenbg. Landesteil, Lübeck

5 Stadtkreise, 90 Gemeinden, 9 Gemeinden (oldenbg. Lt.), Lübeck.

StDR,

Bd. 449, S.45ff.

Berlin 1935

RTW

29. März 1936

5 Stkr. & 16 Lkr., und oldenbg. Landesteil, Lübeck

Keine Daten auf Gemeindeebene überliefert

StDR,

Bd.495, S. 37f.,

Berlin 1936

RTW/VA

10. April 1938

4 Stkr. & 17 Lkr.

4 Stadtkreise, 79 Gemeinden.

StDR,

Bd. 531, S. 56ff.

Berlin 1939

Erläuterungen zur Tabelle: „keine Daten auf Gemeindeeben überliefert, bezieht sich jeweils auf die angegebene Quelle!

Quellen: StDR = Statistik des Deutschen Reichs; LAS = Landesarchiv Schleswig-Holstein;

Stkr. = Stadtkreis; Lkr. = Landkreis; oldenbg. Lt. = oldenburgischer Landesteil Lübeck;

RTW = Reichstagswahl; VA = Volksabstimmung.

 

Anmerkungen zu relevanten Gebietsreformen in Schleswig-Holstein:

Der Wahlkreis 14 bzw. 13, Schleswig-Holstein, umfasste von 1919 bis 1938 im Kern das heutige Bundesland, wobei folgendes zu beachten ist: in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein hat es verschiedene Gebietsreformen gegeben, so dass sich sowohl die Kreisgrenzen als auch die Anzahl der Kreise und Gemeinden im Untersuchungszeitraum veränderte. Hinzu kommen die kleineren Eingemeindungen verschiedener Dörfer und kleinen Gemeinden in größere angrenzende (Klein-)Städte.

 

Die wichtigsten Veränderungen waren in Kürze:

  1. Nach der Abstimmung 1920 kamen die nördlichen Teile Schleswig-Holsteins (Nordschleswig), d.h. im Kern die Kreise Hadersleben, Apenrade, Sonderburg, Teile von Tondern und des Landkreises Flensburg zu Dänemark.
  2. Im Herbst 1932 wurde der Landkreis Bordesholm zugunsten der umliegenden Kreise aufgelöst und der eigenständige Kreis Helgoland kam zum Kreis Pinneberg.
  3. Die Zusammenlegung der Kreise Husum und Eiderstedt (1. Oktober 1932 bis 30. September 1933) wurde wieder zurückgenommen und hatte deshalb für die Abbildung der Reichstagswahlen in diesem Zeitraum keine Relevanz, auf Kreistagswahlebene hingegen schon. (Die Statistik des Deutschen Reiches für die damals stattfindenden Wahlen berücksichtigte diese Gebietsveränderungen nicht!).
  4. Lübeck gehörte bis 1937/38 nicht zum Wahlkreis Schleswig-Holstein, sondern zum Wahlkreis Mecklenburg.
  5. Der oldenburgische Landesteil Lübeck (bzw. 1919: das Fürstentum Lübeck) gehörte zum Land Oldenburg (d.h. dort nahmen die Wahlberechtigten weder an der preußischen Landtagswahl noch an der Provinziallandtagswahl teil), hingegen aber zum Reichstagswahlkreis Schleswig-Holstein!
  6. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes vom April 1937 gingen die Stadtkreise Altona und Wandsbek sowie große Teile des Kreis Stormarn an Hamburg über; die bisher nicht zu Schleswig-Holstein zählende Stadt Lübeck, das Landgebiet Lübeck sowie der oldenburgische Landesteil Lübeck (in der Folge als Landkreis Eutin bezeichnet) gingen an Schleswig-Holstein. Hinzu kamen weitere kleinere Gebietsaustausche zwischen Preußen und Hamburg.

Die Vergleichbarkeit der so veränderten Gebiete ist wahlstatistisch nur durch die Erstellung „fiktiver“ Kreisgebiete und Gemeinden möglich, da ansonsten beim Vergleich der Gebiets- und Wahlkörper das Problem von Fehlschlüssen auftreten kann.

 

 

Teil B

Auswertungen auf Ebene der Stimmbezirke (Wahllokale)

Stadtkreise

Stimm - bezirke

pr. LTW 24.4.32

RTW 31.7.32

RTW 6.11.32

RTW 5.3.33

RTW / VA 12.11.33

VA 19.8.34

RTW 29.3.36

RV 10.4.38

Altona*

126 (+35)

X

X

X

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

 

Flensburg

35-40

 

 

X

X

X

X

X

X

Kiel

160-180

X

X

X

k.A.

X

X

X

X

Neumünster

30-40

 

 

X

X

X

X

X

X

Wandsbek

30

X

X

X

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

 

Lübeck**

105-110

 

 

 

X

X

X

X

X

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleinere Städte

Stimm - bezirke

pr. LTW 24.4.32

RTW 31.7.32

RTW 6.11.32

RTW 5.3.33

RTW / VA 12.11.33

VA 19.8.34

RTW 29.3.36

RV 10.4.38

Elmshorn

11

 

 

 

 

 

X

 

 

Heide

5-6

 

 

 

X

X

 

 

 

Itzehoe***

12-14

 

 

X

X

X

X

X

X

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dörfer / Landkreise

Stimm - bezirke

pr. LTW 24.4.32

RTW 31.7.32

RTW 6.11.32

RTW 5.3.33

RTW / VA 12.11.33

VA 19.8.34

RTW 29.3.36

RV 10.4.38

Kreis Steinburg

90-100

Dörfer

 

 

 

X

X

X

 

 

* Zu Altona gehörten ca. 130 Stimmbezirke in Altona-Altstadt und Ottensen, wo mit knapp 200.000 Menschen 4/5 der Bevölkerung lebte. Hinzu kommen noch 35 Stimmbezirke in den westlichen und nördlichen Vorstädten (u.a. Osdorf, Flottbek, Blankenese, Stellingen, Langenfelde). Letztere sind faktisch Kleinstädte, die für sich ausgewertet werden sollten.

** Lübeck gehörte bis 1937 nicht zu Schleswig-Holstein. Altona und Wandsbek kamen 1937 zu Hamburg.

*** Für Itzehoe sind auch die Daten bei der pr. LTW am 5. März 1933 erhoben worden.

Sowohl für Kiel, Altona und Wandsbek sind die vorläufigen Endergebnisse auf Stimmbezirksebene für die Reichstagswahl vom 5. März 1933 leider verschollen. [2] Für Altona und Wandsbek gilt dies zudem noch für sämtliche Ergebnisse im Nationalsozialismus.

 

Die Erhebung weiterer Ergebnisse auf der Stimmbezirksebene hat der Autor nicht weiterverfolgt, so dass es bei der Erfassung von ca. 300.000 Wahlberechtigten auf Wahllokalsebene für die Abstimmungen von 1933-1938 geblieben ist. Dies schließt insbesondere die Kieler, Flensburger, Neumünsteraner und Lübecker Datensätze im Nationalsozialismus ein. Aus Vergleichsgründen wäre es sinnvoll gewesen, erst einmal alle fünf Stadtkreise Schleswig-Holsteins (Altona, Kiel, Wandsbek, Flensburg, Neumünster) zu erheben. Da die Daten aus Wandsbek und Altona (160-190 Stimmbezirke) aber bedauerlicherweise nicht überliefert sind, muss anhand der (groß-)städtischen Daten von Kiel, Flensburg, Neumünster und dem damals erst ab 1937 zu Schleswig-Holstein gehörenden Lübeck das Stimmverhalten in den industrialisierten Regionen des Untersuchungsgebietes analysiert werden. Die Einarbeitung von Datensätzen der kleineren und mittleren Städte Schleswig-Holsteins ist meines Erachtens nur noch für die Lokalgeschichte von Bedeutung, und diese Erhebungen stehen deshalb meinerseits nicht mehr im Vordergrund. Aufgrund der schlechten Überlieferung von Wahldaten, insb. der Wahlberechtigtenziffern, aus den schleswig-holsteinischen Dörfern erscheint es hingegen sinnvoll aus Vergleichsgründen noch mehrere ländliche Kreisregionen zu erheben, auch wenn die bisherigen Forschungen für die Abstimmungen in der NS-Diktatur derzeit keinen großen Erkenntnisgewinn erbracht haben. [2]

Für die qualitative Wahlforschung können derzeit nur allgemein für die so genannten Restbezirke, d.h. durch indirekte Berechnung, Angaben zum Wahlverhalten gemacht werden, da ansonsten die Wahlberechtigtenziffern nicht überliefert sind. Eine Quellenrecherche auf Landesebene – insb. in den Gemeinde- und Kreisarchiven – ist nur mit hohem Zeit- und Personalaufwand möglich, wäre aber angesichts der Tatsache, dass die Ergebnisse von Rudolf Heberle zum Wahlverhalten in den ländlichen Regionen und Dörfern ansonsten nicht überprüfbar sind, ein lohnenswertes Forschungsprojekt. [3]

 

 

Teil C

Sonstige aufgenommene Datensätze

Reichstagswahl vom 31. Juli 1932

Wahlkreis

Details

Quelle

(34) Hamburg

Stadt Bergedorf, Hamburg (mit Hafen), Geesthacht, Ritzebüttel, Marschlande, Vierlande

StDR, Bd. 434, S. 68

(35) Mecklenburg

Mecklenburg-Schwerin, Mecklenb.-Strelitz, Rostock, Schwerin

StDR, Bd. 434, S. 68

Reichstagswahl vom 5. März 1933

Wahlkreis

Details

Quelle

Deutsches Reich

35 Wahlkreise des Deutschen Reiches

StDR, Bd. 434, S. 8f.

(34) Hamburg

Stadt Hamburg mit Hafen

StDR, Bd. 434, S. 242

(34) Hamburg

Stadt Hamburg (alle 28 Stadtteilergebnisse ohne Hamburger Landgebiet und Städte außerhalb von Stadt Hamburg)

Stat. Mitlg. über den Hamburger Staat, Nr. 31, S. 39.

(35) Mecklenburg

Mecklenburg, Rostock

StDR, Bd. 434, S. 242

Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12. November 1933

Wahlkreis

Details

Quelle

Deutsches Reich

35 Wahlkreise des Deutschen Reiches

StDR, Bd. 449, S. 8f.

(34) Hamburg

Stadt Hamburg, Hamburger Landgebiet, darin: Stadt Bergedorf, Cuxhaven, Geesthacht, Geestlande (darin: Farmsen, Volksdorf), Marschlande (darin: Billwerder a.d.Bille, Ochsenwerder), Ritzebüttel, Vierlande (darin: Curslack, Kirchwerder, Neuengamme)

StDR, Bd. 449, S.103

(34) Hamburg

Stadt Hamburg (alle 28 Stadtteilergebnisse ohne Hamburger Landgebiet und Städte außerhalb von Stadt Hamburg)

Stat. Mitlg. über den Hamburger Staat, Nr. 32, S. 96f.

(35) Mecklenburg

Mecklenburg-Schwerin, Rostock, Schwerin

StDR, Bd. 449, S. 103

Volksabstimmung vom 19. August 1934

Wahlkreis

Details

Quelle

(34) Hamburg

Wie vorher (Curslack eingemeindet)

StDR, Bd. 449, S. 103

(34) Hamburg

Stadt Hamburg (alle 28 Stadtteilergebnisse ohne Hamburger Landgebiet und Städte außerhalb von Stadt Hamburg)

Aus Hamburgs Wirtschaft und Verwaltung, Nr.6, 1934, S. 138

(35) Mecklenburg

Wie vorher, aber seit 1.4.34: Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz vereinigt.

StDR, Bd. 449, S. 103

Reichstagswahl vom 29. März 1936

Wahlkreis

Details

Quelle

(34) Hamburg

Stadt Hamburg mit Hafen, Hamburger Landgebiet

StDR, Bd. 495, S. 51

(35) Mecklenburg

Mecklenburg

StDR, Bd. 495, S. 51.

Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag am 10.4.38

Wahlkreis

Details

Quelle

(34) Hamburg

Stadt Hamburg

StDR, Bd. 531, S. 115.

(35) Mecklenburg

Mecklenburg, Rostock

StDR, Bd. 531, S. 115.

Volkszählung vom 16. Juni 1933

Schleswig-Holstein

Überblick: Erwerbstätigkeit der Bevölkerung, alle Gemeinden über 5.000 EinwohnerInnen

StDR, Bd. 445, Heft 13, S. 42f.

 

Die in Teil C aufgeführten Datensätze sind aus Vergleichsgründen zu Schleswig-Holstein erhoben worden. Die Erhebung der Datensätze auf Gemeindeebene wäre zwar sinnvoll, kann aber in absehbarer Zeit nicht geleistet werden.

 

 

Nachfrage

Der Autor ist sehr daran interessiert, Kontakt zu anderen Personen zu erhalten, die sich ebenfalls mit dem Thema Wahlen im Nationalsozialismus beschäftigen und dies auf möglichst kleinräumlicher Basis (Stimmbezirksebene) erforschen. Wer hierzu Hinweise geben kann oder selber dazu forscht, kann sich mit dem Autor unter omland@freenet.de in Verbindung setzen. Herzlichen Dank.

 

Frank Omland

 

 

Literaturhinweise

Jung, Otmar: Plebiszit und Diktatur: die Volksabstimmungen der Nationalsozialisten. Die Fälle „Austritt aus dem Völkerbund“ (1933), „Staatsoberhaupt“ (1934) und „Anschluß Österreichs“ (1938). Tübingen 1995.

Jung, Otmar: Wahlen und Abstimmungen im Dritten Reich 1933-1938. In: Eckhard Jesse / Konrad Löw (Hrsg.): Wahlen in Deutschland, Berlin 1998, S. 69-97.

Omland, Frank: Nationalsozialistische Volksabstimmungen und Reichstagswahlen in Kiel 1933-1938. Hamburg 2001.

Omland, Frank: „Unser aller 'Ja' dem Führer!“ Zur Geschichte der ersten nationalsozialistischen Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12. November 1933 in Schleswig-Holstein. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 39, S. 3-50, Kiel 2001.

Omland, Frank: Wahlkampf, Wahlzwang, Wahlfälschung: Nationalsozialistische Volksabstimmungen und Reichstagswahlen in Kiel 1933-1938. Teil 1: Die Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12.11.1933, die Volksabstimmung vom 19.8.1934. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 80, Heft 6, S. 241-294. Kiel 2003.

Omland, Frank: „Der Parlamentarismus der alten Form existierte schon nicht mehr“ – Die schleswig-holsteinischen Abgeordneten der NSDAP im Reichstag 1924-1945. In: Informationen zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 41/42, Kiel 2003, S. 100-129.

Omland, Frank: „Dein ‚Ja’ entscheidet!“ – Wahlkampf, Wahlzwang und Wahlfälschungen bei den nationalsozialistischen Reichstagswahlen und Volksabstimmungen in Schleswig-Holstein 1933-1938. Hamburg 2005, 184 Seiten (i.E.)

 

Verwendete Abkürzungen

RTW = Reichstagswahl; VA = Volksabstimmung; RV = kombinierte RTW und VA 1938; pr. LTW = preußische Landtagswahl; Stkr. = Stadtkreis; Lkr. = Landkreis; StDR = Statistik des Deutschen Reichs; LAS = Landesarchiv Schleswig-Holstein.

 

Fußnoten

[1] Frank Omland: Nationalsozialistische Volksabstimmungen und Reichstagswahlen in Kiel 1933-1938. Hamburg 2001 (unv. Manuskript, ausleihbar über die Landesbibliothek Schleswig-Holstein bzw. einsehbar im Stadtarchiv Kiel). Teilweise veröffentlicht in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 80, Heft 6, S. 241-294. Kiel 2003.

   Derselbe: „Unser aller 'Ja' dem Führer!“ Zur Geschichte der ersten nationalsozialistischen Reichstagswahl und Volksabstimmung vom 12. November 1933 in Schleswig-Holstein. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 39, S. 3-50, Kiel 2001.

Arbeitstitel der abgeschlossenen Studie ist: „Dein ‚Ja’ entscheidet!“ – Wahlkampf, Wahlzwang und Wahlfälschungen bei den nationalsozialistischen Reichstagswahlen und Volksabstimmungen in Schleswig-Holstein 1933-1938. Hamburg 2005, 184 Seiten.

[2] Der Erkenntnisgewinn, der durch die Analyse einer Erhebung auf dörflicher Ebene für die RTW Mrz 1933, die Abstimmungen im November 1933 und August 1934 zustande kam, ist bisher nicht so groß, dass der Autor optimistisch ist, durch eine Ausdehnung der Erhebung auf Landkreisebene zusätzliche Informationen zu gewinnen. Außerdem haben Schätzungen zu den Wählerwanderungen und Wählerherkünften hier die nötigen Informationen geliefert, die aus den Datensätzen der StDR herausgefiltert werden können.

[3] Rudolf Heberle (Landbevölkerung und Nationalsozialismus. Eine soziologische Untersuchung der politischen Willensbildung in Schleswig-Holstein 1918 bis 1932. Stuttgart 1963. - Im Original 1932 - 1934 durchgeführt -) hat in seiner zeitgenössischen Studie auf Zahlenmaterial des Statistischen Reichsamtes zurückgreifen können, dass nicht überliefert worden ist. Dementsprechend können seine deskriptiven Ergebnisse nicht mehr überprüft werden. (Vgl. dazu die Anmerkungen im Aufsatz in der ISHZ 39, siehe FN 1).


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